Am 13. November 2025 fand der Kongress #mvw25 – Demografie-Kongress statt, um Antworten auf die demografischen Herausforderungen der Arbeitswelt in Mecklenburg-Vorpommern zu finden. Der demografische Wandel führt in vielen Branchen zu Fachkräfteengpässen, sinkender Erwerbsbevölkerung und steigenden Anforderungen an Unternehmen. Auf der Veranstaltung standen praxisnahe Impulse aus Vorträgen, Panels und Workshops im Mittelpunkt, darunter altersdiverse Teams, Wissenstransfer, neue Arbeitsmodelle und technologische Unterstützung. Ziel war es, Lösungsansätze für Fachkräftesicherung, lebenslanges Lernen und generationenübergreifende Zusammenarbeit vorzustellen.

Was passiert, wenn der Bus nicht mehr fährt und Regale leer bleiben?

DIE ALTERNDE ARBEITSGESELLSCHAFT IN M-V

In den kommenden zehn Jahren werden in Mecklenburg-Vorpommern rund 7.200 Bus- und LKW-Fahrerinnen und -Fahrer in den Ruhestand gehen. Das entspricht fast 40 Prozent aller derzeit beschäftigten Berufskraftfahrerinnen und -fahrer. Der Nachwuchs reicht nicht aus, um diese Lücke zu schließen, während Lösungen wie autonomer Verkehr noch nicht kurzfristig zur Verfügung stehen.

Auch im Bildungsbereich zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. Der Altersdurchschnitt der Lehrkräfte ist hoch: Bis 2035 verlässt jede zweite angestellte Lehrkraft den Schuldienst, insgesamt rund 5.000 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen.

Vergleichbare Herausforderungen bestehen in weiteren Berufsgruppen wie dem Handwerk und der Industrie. Gleichzeitig verfolgt Mecklenburg-Vorpommern ambitionierte Ziele: industrielle Produktion, maritime Wirtschaft, Digitalisierung, Tourismus, Wissenschaft und eine verlässliche Versorgung der Bevölkerung sollen auch künftig gesichert werden.

Der demografische Wandel stellt dabei eine der zentralen Zukunftsfragen des Landes dar.

Zur Bewältigung der demografischen Herausforderungen braucht es einen Mix aus verschiedenen Ansätzen. In Mecklenburg-Vorpommern bestehen weiterhin Potenziale bei der Erwerbsbeteiligung, etwa durch einen späteren Renteneintritt und eine stärkere Einbindung bislang unterrepräsentierter Gruppen. Gleichzeitig ist der Anteil ausländischer Beschäftigter vergleichsweise gering.

Als kleiner Arbeitsmarkt stößt das Land jedoch schnell an Grenzen: Der Wegfall von mehreren tausend Fachkräften, etwa bei Berufskraftfahrern oder Schweißern, ist nur schwer zu kompensieren. Umso wichtiger ist eine kombinierte Strategie aus höherer Erwerbsbeteiligung, Digitalisierung und Automatisierung, gezielter Zuwanderung sowie vor allem Investitionen in Bildung und Qualifizierung.

Impulse und Paneldiskussion

Handlungsspielräume für den demografischen Wandel

In ihrem Impulsvortrag "Leerer Osten, voller Westen" führte die Soziologin Prof. Dr. Jutta Allmendinger aus, dass der demografische Wandel besonders in Ostdeutschland zu Bevölkerungsrückgang, Überalterung und Fachkräftemangel führt, während westliche Regionen oft wachsen. Gleichzeitig gibt es viele Stellschrauben, um die alternde Arbeitsgesellschaft aktiv zu gestalten.

Wie können Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern dem demografischen Wandel begegnen?

Frau Allmendinger zeigte auf, welche Wege es gibt, um den Herausforderungen des demografischen Wandels – die in Mecklenburg-Vorpommern mit seiner Wirtschaftsstruktur und dem kleinen Arbeitsmarkt besonders spürbar sind – erfolgreich zu begegnen.
Mit großem Interesse verfolgten die Teilnehmenden ihren Ausführungen zu:

  • einer flexibleren Gestaltung des Renteneintrittsalters,
  • der Ermöglichung längerer Erwerbsphasen durch Umschulungen und neue berufliche Wege,
  • atmenden Lebensverläufen, mit denen sich Beruf und Familie besser vereinbaren lassen.

In der anschließenden Diskussion mitFranziska Hain(Vorständin Netzwerk für Menschen),Claudia Klasen(Personalleiterin der Neptun Werft Rostock) und Frau Allmendinger wurde deutlich:

  •  Zuwanderung braucht mehr Offenheit, schnellere Anerkennungsverfahren und Zivilcourage gegen Ausgrenzung.
  • Gute Bildungseinrichtungen sind zentral, um Potenziale von Quereinsteiger*innen zu heben.
  • Weiterbildung sollte selbstverständlich werden – unabhängig vom Alter.
  • Digitalisierung ist kein Risiko, sondern eine Chance für zukunftsfähige Arbeit.
  • Flexible Arbeitsbedingungen sind entscheidend, auch um steigenden psychischen Belastungen entgegenzuwirken.


Frau Allmendingers Fazit fiel für M-V nicht pessimistisch, sondern positiv aus: Es gibt viele Stellschrauben, um die alternde Arbeitsgesellschaft aktiv zu gestalten – entscheidend sind Mut, Offenheit und der Wille zum Wandel! 

Ey Alter!

Chancen des demografischen Wandels clever nutzen

Heino Niederhausen, Geschäftsführer und Gründer der MBDX Consulting Group, berichtet aus seiner langjährigen Praxis als ehemaliger Personalleiter und Demografieenthusiast der Daimler AG. In seinem Impulsvortrag zeigt er auf, warum der demografische Wandel weniger ein Defizit- als vielmehr ein Gestaltungs­thema ist – und weshalb Organisationen jetzt umdenken müssen.

Aus wissenschaftlicher Forschung und konkreten Praxisbeispielen leitet Heino Niederhausen zentrale Erkenntnisse ab:

  • Altersstereotype wirken nachweislich leistungsmindernd und verhindern Entwicklung

  • Alter ist hochgradig individuell – Leistungsfähigkeit variiert stark, auch im höheren Erwerbsalter

  • Lernen, Training und geeignete Arbeitsbedingungen erhalten und steigern Leistungsfähigkeit bis ins Alter

  • Wissenstransfer und altersübergreifende Zusammenarbeit sind entscheidend für Zukunftsfähigkeit

  • Demografie ist ein strategischer Erfolgsfaktor für Innovationskraft, Bindung und Arbeitgeberattraktivität

Zum vollständigen Blogbeitrag des Impulsbeitrages:
Heino Niederhausen – Demografischer Wandel
https://www.mbdx.de/blog/demografischer-wandel?

Workshops

Demografie-Check I Generationsübergreifendes Arbeiten I Cobots I Renteneintritt I Wissenstransfer I Menopause

In fünf paralell stattfindenen Workshops und einer aktiven Kaffeepause am Nachmittag konnten sich die TeilnehmerInnen zu den Themen Demografie Check, Generationsübergreifendes Arbeiten, dem Einsatz von Cobots, Übergängen in den Renteneintritt, BGM Maßnahmen für ältere Beschäftigte sowie digitaler Lösungen für Wissensmanagement informieren. 

Wie kann generationsübergreifendes Arbeiten und Age Management im Unternehmen umgesetzt werden?

Die Gleichstellungsbeauftragte vom NDR und ihr Jung-Kollege Moritz Schröder aus dem NDR-Studio Greifswald berichteten im Workshop u.a. von dem internen Generationen-Mentoring. Frau Schmutte empfiehlt:

"Ein gutes Miteinander der vielfältigen Generationen mit ihren unterschiedlichen Prägungen und Fähigkeiten ist von unschätzbarem Wert. Wissenstransfer und gegenseitiges Verständnis, voneinander lehnen ohne Vorbehalte sollten im Mittelpunkt stehen. Bewährte Handlungsempfehlungen können Netzwerkgruppen sein, in denen sich, wie beim Roundtable50+ oder dem U30 Netzwerk im NDR Mitarbeitende im geschützten Rahmen über ihre Bedürfnisse und Vorstellungen austauschen können, am besten durch einen externen Impuls moderiert. Um die Generationen untereinander in den gemeinsamen Austausch zu bringen, empfiehlt sich ein Generationen-Mentoring. „Alt lernt von Jung, Jung lernt von alt“ fürs Arbeitsleben. So entsteht eine Win-Win-Situation, die eine Willkommenskultur und ein gutes und verständnisvolles Miteinander für alle Altersgruppen schafft."

Ansprechpartner vor Ort waren: 

Nicole Schmutte (Gleichstellungsbeauftragte des NDR) & Moritz Schröder (Redakteur NDR) n.schmutte@ndr.de

Cobots als Unterstützung am Arbeitsplatz 

Durch Mensch-Roboter-Kollaboration können ältere Mitarbeitende und Menschen mit Beeinträchtigung bei körperlich belastenden, monotonen oder unergonomischen Tätigkeiten unterstützt werden; so bleiben Erfahrung und Fachwissen im Unternehmen, während Gesundheit und langfristige Teilhabe am Arbeitsleben gestärkt werden.

Mit seinem modularen, mobilen Cobot-Arbeitsplatz reist das IIDEA-Team der RWTH Aachen University durch Deutschland demonstriert in praxisnahen, barrierearmen Hands-on-Demonstrationen ganz konkret, welche Aufgaben ein Cobot übernehmen kann und wie Arbeitsplätze ergonomischer und inklusiver gestaltet werden können. Hier gibt es mehr Informationen zum IIDEA Projekt

Die Ansprechpartner*innen vor Ort waren u.a.:

IIDEA I RWTH Aachen University, Sophie Charlotte Keunecke, Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik, Eilfschornsteinstraße 18, 52062 Aachen https://www.igmr.rwth-aachen.de

Demografie Check - 5 Dinge die mittelständische Unternehmen tun können

Im Rahmen des Workshops wurde gemeinsam mit den Teilnehmenden ein KI-basierter Demografie-Check mit dem Demografie-Agenten durchgeführt. Auf Grundlage von acht zentralen Handlungsfeldern konnten die Unternehmen eine strukturierte Selbsteinschätzung ihrer demografischen Ausgangslage vornehmen.

Unterstützt durch den Demografie-Agenten wurden anschließend konkrete Maßnahmen zur Weiterentwicklung in den jeweiligen Handlungsfeldern identifiziert. Die Ergebnisse des Demografie-Checks wurden ausgewertet und den Teilnehmenden im Anschluss in individuellen Ergebnisberichten zur Verfügung gestellt.

Die Ansprechparter*innen vor Ort waren: 

MBDX I Organisationsberatung, Heino Niederhausen, Jan Reher, Franziusstraße 15 · 28209 Bremen · www.mbdx.de

Übergänge von Mitarbeitenden in den Ruhestand gestalten und nicht passieren lassen

Im Workshop mit der Deutschen Rentenversicherung stand die aktive Gestaltung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand im Mittelpunkt. Deutlich wurde: Der Renteneintritt ist mehr als ein formaler Schritt – er betrifft sowohl die persönlichen Erwartungen der Mitarbeitenden als auch die strategischen Interessen der Arbeitgeber, etwa Wissenstransfer und Nachbesetzung.

Der Vortrag vermittelte praxisnahes Wissen zu Rentenarten, Altersgrenzen und Gestaltungsspielräumen und zeigte auf, wie durch frühzeitige Gespräche, flexible Übergänge und gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen harte Brüche vermieden werden können.

Die Ansprechparter*innen vor Ort waren: 

Deutsche Rentenversicherung Nord I Antje Thümmler & Charleén Staggat, 
https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Nord/DE/Beratung-und-Kontakt/Firmenservice_Nord/firmenservice.html

Menopause am Arbeitsplatz – ein unterschätztes Zukunftsthema

Die Arbeitsgruppe zum Thema Menopause zeigte eindrucksvoll, wie groß der Gesprächsbedarf ist: Die Teilnehmenden diskutierten engagiert und intensiv – ein deutliches Zeichen für die Relevanz des Themas. Referentin Anke Ruthenberg machte klar, dass die Wechseljahre kein individuelles Randthema sind, sondern erhebliche Auswirkungen auf Organisationen haben.

Zentrale Erkenntnisse aus dem Impuls:

  • Rund 7,5 Millionen berufstätige Frauen befinden sich in Deutschland in oder um die Wechseljahre

  • 93 % berichten über Beschwerden, die sich auch auf die Arbeit auswirken

  • Die volkswirtschaftlichen Kosten liegen bei rund 9,4 Milliarden Euro bzw. fast 40 Millionen Arbeitstagen jährlich

  • Wechseljahresbeschwerden beeinflussen Karriereentscheidungen, Arbeitszeit und Gesundheit spürbar

Deutlich wurde: Wer die Wechseljahre im Betrieblichen Gesundheitsmanagement ignoriert, verschärft Fachkräftemangel, gefährdet Bindung weiblicher Fach- und Führungskräfte und behindert Diversity und Gleichberechtigung. Unternehmen, die das Thema strategisch im HR- und Gesundheitsmanagement verankern, schaffen dagegen Stabilität, Leistungsfähigkeit und Zukunftssicherheit.

Die Ansprechparter*innen vor Ort waren: 

Anke Ruthenberg I Referentin für Wechseljahre & Coach - https://www.anke-ruthenberg.de