Der wissenschaftliche Dienst der Europäischen Kommission (Joint Research Centre - JRC) hat einen Forschungsbericht über den Wandel der Arbeitswelt in der Europäischen Union vorgelegt. Das Gutachten liefert zusammenfassende Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Automatisierung und Arbeitsorganisation, das verstärkte Auftreten neuer Arbeitsformen durch Aufspaltung der Arbeitsprozesse (Plattformökonomie, Freelancer) sowie über den erwarteten beruflichen Wandel in den Regionen der EU.

"nicht-kognitive" Fähigkeiten entsprechend der Darstellung in dem Bericht "The changing nature of work and skills in the digital age" (Foto: mv-works)

Digitale Kompetenzen plus Empathie

Die Untersuchung beinhaltet auch Schätzungen über das Ausmaß von Wegfall und Entstehung von Arbeitsplätzen und befasst sich mit der Verschiebung der Qualifikationsbedarfe in Richtung digitaler, analytischer und nicht-kognitiver Fähigkeiten, die von den Bildungsangeboten noch nicht umfassend abgedeckt werden.

Der Bericht sieht eine EU-weite Vernachlässigung bei der Vermittlung der nicht-kognitiven Skills und fordert, dass sich die nationalen Bildungssysteme nicht auf die bloße Verbreitung von Fachwissen fokussieren, sondern die Menschen auch mit den notwendigen nicht-kognitiven Fähigkeiten ausstatten. Solche Fähigkeiten würden dem Einzelnen helfen, Veränderungen zu antizipieren und flexibler, kreativer und widerstandsfähiger am Arbeitsplatz zu sein.

Ängste vor Job Abbau vorerst unbegründet

Generell konnten die Autoren keine negativen Auswirkungen des verstärkten Maschinen- und Robotereinsatzes in den vergangenen Jahren auf die Beschäftigungsentwicklung feststellen. Ableitungen für die Zukunft seien allerdings schwer zu treffen, da der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) neue technologische Optionen bietet und das Spektrum der Aufgaben, die Maschinen übernehmen können, durch das maschinelle Lernen deutlich erweitert werden wird.

In den vergangenen Jahren hat die Informationstechnologie das Arbeiten bereits wesentlich verändert: Routinetätigkeiten wurden bereits von Maschinen ersetzt, gleichzeitig wurden übrige Tätigkeiten durch den Computereinsatz mit mehr Routine versehen. Anschaulich wird das in der Finanzwirtschaft, in der das bargeldlose Bezahlen und die Verfügbarkeit von Onlinediensten den Computereinsatz vermehrt und die direkte soziale Interaktion mit Bankangestellten an den Rand gedrängt haben.

Soziale Interaktion schwer ersetzbar

Ähnliches lässt sich auch im Kundenservice von Verwaltungen, Versicherungen oder in der Tourismusbranche beobachten. Beschäftigte nicht nur in diesen Bereichen sind dem EU-Bericht zufolge gefordert, durch Kreativität und Interaktion solche Potenziale herauszustellen, bei denen menschliche Arbeitskräfte der künstlichen Intelligenz derzeit überlegen sind. Generell gelten einfache Tätigkeiten als einfacher automatisierbar, schwieriger ersetzbar seien Tätigkeiten, die eine breite Palette an Fähigkeiten oder soziale Interaktion erforderten – also jemandem anleiten, pflegen, unterrichten etc. Die Studie betont aber auch, dass nicht allein die technische Machbarkeit darüber entscheiden wird, ob eine Tätigkeit durch Maschinen ersetzt werden wird oder nicht. Auch kulturelle Faktoren, Verbraucherpräferenzen oder Fragen der Arbeitsorganisation spielen in diese Entscheidungen hinein. (Axel Fick)

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