Nach dem Auslaufen der Verpflichtung und mit leichter Entspannung der Corona-Lage bleibt offenbar auch wieder mehr Homeoffice-Potenzial in Unternehmen ungenutzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Zwei Drittel der Unternehmen wollen demnach in Sachen Homeoffice auf das Vorkrisen-Niveau zurück.

Das IAB hat in einer Sonderauswertung Unternehmen betrachtet, die grundsätzlich auch Homeoffice anbieten. Unter den Beschäftigten, deren Tätigkeit in diesen Unternehmen Homeoffice grundsätzlich zulässt, stiegt der Anteil derjenigen, die es auch nutzten, von 27 Prozent vor der Krise auf 41 Prozent im Januar 2021. Nach Einführung der Homeoffice-Pflicht waren im Frühjahr 2021 sogar 45 Prozent der Beschäftigten von zuhause aus tätig. Im Juli, so das IAB, ging ihr Anteil allerdings wieder auf 40 Prozent zurück. Der Anteil der Beschäftigten, deren Tätigkeit keine Arbeit im Homeoffice zulässt, lag in diesem Unternehmen relativ konstant bei 50 Prozent – auch schon vor der Pandemie. „Damit ist das nicht ausgeschöpfte Potenzial an Homeoffice zuletzt wieder gestiegen, und zwar von 9 Prozent im März/April auf 12 Prozent im Juli 2021“, heißt es in der Untersuchung der Arbeitsmarktforscher.

Die Ursachen sind nicht eindeutig. Die Entwicklung könne mit dem Auslaufen der Homeoffice-Pflicht einhergehen, „zudem dürfte bei vielen Betrieben und Beschäftigten der Wunsch gewachsen sein, dass wieder verstärkt vor Ort gearbeitet wird“, so die Autoren.

11 Prozent der Betriebe wollen weniger Homeoffice als vor Corona

Die Homeoffice-Pläne der befragten Unternehmen für die Zeit nach der Pandemie weisen in unterschiedliche Richtungen. Zwei Drittel (67 Prozent) der Unternehmen, die Homeoffice grundsätzlich anbieten, wollen den Umfang der Heimarbeit wieder auf das Vor-Pandemie-Niveau zurückfahren. 21 Prozent wollen mehr Homeoffice ermöglichen als vor dem Frühjahr 2020, 11 Prozent wollen sogar weniger Homeoffice nach der Pandemie als zuvor.

Betriebliche Abläufe und Unternehmenskultur stehen dagegen

Die IAB-Forscher haben auch nach der Motivation der Unternehmen für den Aus- oder Rückbau des Homeoffice-Angebotes gefragt: Ein Großteil der Betriebe, die Homeoffice nicht ausbauen möchten, gibt demnach an, dass sich die Tätigkeiten ihrer Beschäftigten nicht wirklich für die Arbeit von zu Hause aus eignen (63 Prozent). Als einen weiteren Hinderungsgrund führen viele die erschwerten Bedingungen der Zusammenarbeit auf Distanz an (55 Prozent). Betriebe, die angeben, dass die Distanz die Zusammenarbeit erschwert, haben häufiger auch Bedenken, ihre Beschäftigten ungleich zu behandeln. An dritter Stelle wird als Argument gegen mehr Homeoffice die Unternehmenskultur genannt (39 Prozent).

Weitere Gründe sind befürchtete Produktivitätseinbußen, fehlende technische Ausstattung, Datenschutz oder die Einschätzung, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen oder auch Führungskräfte nicht über die notwendigen Fähigkeiten verfügen, ihre Arbeit in angemessener Weise auch von zu Hause aus zu erledigen.